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Donnerstag, 25. April 2013

Das ging aber mal flott!

Nur ganz kurz: wir kommen gerade von unserem letzten Adoptionsgespräch zurück, es war wieder äußerst nett, insbesondere die Rückmeldungen waren äußerst nett und durchweg positiv. Wir hätten so eine gesunde Emotionalität und hätten ein Gespür für die relevanten Fragen. Hach danke, das geht doch runter wie Öl :o) Jetzt fehlt eigentlich nur noch die Teilnahme an den beiden Seminarabenden und schon sind wir in der Kartei. Dachten wir. Heute hieß es dann aber, wir seien ab sofort schon drin! Daß das so schnell geht, hätten wir nicht erwartet und freut uns natürlich ungemein. Es tut unglaublich gut, daß es zumindest in diesem Punkt vorwärtsgeht und man das Gefühl hat, etwas tun zu können. Wäre ich noch schwanger gewesen beim heutigen Gespräch, hätte ich es gesagt. Alles andere hätte sich unehrlich angefühlt. Sollten wir "den Anruf" bekommen, wenn ich schwanger sein sollte, werden wir es ebenfalls offen ansprechen, genauso wenn ich es irgendwann vielleicht mal über die 12. SSW schaffen sollte. Davon, daß wir ab sofort zu verhüten haben war nicht die Rede, was ich der Adoptionsdame hoch anrechne. Sie hat das KiWu- Thema bei unserem ersten Gespräch nur kurz angeschnitten und dann gemeint, alles andere sei unsere Privatsache. Ein Hoch auf empathische und vernünftige Menschen!! Ganz anders als die blöde Nuß vom Jugendamt, die nur Horrorszenarien vor uns entwickelt hat von wegen jedes Adoptivkind sei schwer gestört und traumatisiert, 40 Jahre sei eigentlich Obergrenze und eigentlich traue sie ohnehin kaum jemandem genug Empathie zu, mit einem Adoptivkind umzugehen. Überspitzt formuliert, aber so kam sie rüber.
Wenn jetzt noch ein Stück doppelt gesalzene Lakritze vom Himmel fällt bin ich mit dem Schicksal schon fast wieder versöhnt.

Freitag, 25. Januar 2013

Nett war`s.

"Möchten Sie einen Milchkaffee, einen Latte macciato, einen Cappuccino, einen Espresso oder einen einfachen Kaffee?" Emsig kramt die freundliche Dame von der Adoptionsstelle in ihren Schokoladenvorräten auf dem Schreibtisch und bietet uns schlußendlich die Krone der Schokoladenkunst an: die neuen "Hello"-Pralinen von Lindt. Wenn sie die Wahl habe zwischen - hm, z.B. Schweinshaxe oder Schokolade, sie würde immer die Schweinshaxe wählen. P. versichert, er würde ganz ohne weiteres auch beides essen und nachdem diese Dinge geklärt sind fällt jede Nervosität von mir ab und ein "hach wie nett hier" macht sich breit. So soll es doch sein! Im Erstgespräch beim Jugendamt gingen wir grellig und auf Krawall gebürstet raus, so viele Thesen, die in den Raum geworfen wurden (nur wer seinen Kinderwunsch vollends abgeschlossen habe, könne sich auf ein Adoptivkind einlassen, Geschwisterkinder seien nicht erwünscht, sonst könne sich das Adoptivkind benachteiligt fühlen etc.pp), und deren Begründung wir nur wenig nachvollziehen konnten. Hier verlief es bisher völlig anders. Frau R. wirkt sympathisch und warmherzig und macht den Eindruck, dass es ihr mehr um das Kindeswohl und das Kennenlernen des Bewerberpaares geht als um ein Aufzählen von Horrorszenarien und Abfragen von Formalitäten. Nachdem wir um Weihnachten herum den Bewerberfragebogen abgeschickt hatten sind wir nun im Zweitgespräch des Adoptionsverfahrens. Es geht um den Inhalt des Bogens, welche Fragen uns bewegt haben, worüber wir vermehrt nachdenken mußten, für welches Adoptionsverfahren wir uns entscheiden würden und warum usw. Es ist eine nette und entspannte Atmosphäre und die Zeit vergeht wie im Flug. Frau R. schlägt vor, dass der nächste Termin bereits bei uns zu Hause stattfinden solle, dort wolle sie ein Genogramm mit uns machen, eine Familienaufstellung. Hierfür veranschlage sie den ganzen Nachmittag, so etwa 2 1/2 Stunden für jeden von uns. Sofort schießt mir durch den Kopf: aufräumen vorher!!! Katzenklo raus aus dem Bad!!! Häppchen!!! Käsebrot!! Suppe!! Suppe?? Danach sollten wir dann den Lebenslauf schreiben und es werde noch etwa 2 Gespräche geben. Irgendwie gruselig, dass wir einer doch noch fremden Dame unsere Lebensgeschichte erzählen sollen, gleichzeitig aber auch schön, dass es so rasch weitergeht. Ich freu mich gerade wahnsinnig und bin zuversichtlich, dass wir - so oder so - irgendwann eine Familie sein werden. Den panischen Teil in mir, der sich die Haare rauft, seit 3 Stunden Fotos aussucht und sich darüber den Kopf zerbricht, wie dieses Genogramm vonstatten gehen wird werde ich jetzt einfach mal ignorieren. Wie gehts heut abend weiter?
P. und ich haben uns eben eine Wii ausgeliehen, und da wir beide leider sowas von überhaupt keine Ahnung von diesem phänomenalen Teil haben (unser Röhrenfernseher will vielleicht gar nicht spielen), werden wir uns erstmal mit den Stöpseln und Kabeln beschäftigen, um dann Pizza zu bestellen und eine Runde zu zocken. Jawollja!

Montag, 31. Dezember 2012

Our Day Will Come

Und der ist wohl nicht heute.
Was soll ich sagen? 2012 war nicht unser Jahr. 2013 soll es sein. Es wird. Et kütt. Anders will und kann ich es mir nicht vorstellen. Da wir Sylvester in Frankreich verbringen - was rein medikationsmäßig ja trotz allen Frustes noch ein Glücksfall ist, da dort die Medikamente wesentlich günstiger zu haben sind - waren wir heute schon in der Apotheke und haben radebrechend zu erfragen versucht, ob man das Menopur schon mal bestellen könnte. Sicherheitshalber. Damit es da ist, wenn ich es brauche. Da aber noch ein Restfunke Hoffnung da ist, dass es doch noch geklappt haben könnte (Tante Rosa ist zwar vermutlich schon am Packen aber noch nicht in Frankreich eingetroffen) möchte ich nicht jetzt schon alles kaufen müssen für 800€. Die arme Apothekerin war - nachvollziehbarerweise - mit meiner Frage wohl etwas überfordert, darum gehe ich am Mittwoch oder Donnerstag nochmal hin, wenn ich nochmal getestet habe. Sie meinte, ich könnte es morgens bestellen, dann wäre es schon am Abend da. C´est superbe.
Das Komische ist: ich habe noch gar kein Tante- Rosa- Gefühl. Was am Utrogest liegen mag. Was natürlich auch daran liegen kann, dass sich die Kryos schön laaangsam breit machen. Ich will mich aber nicht auf diesen Gedanken versteifen.
Was kann ich noch sagen? Wir haben es gut. Trotz alledem. Wir sitzen vor dem Kamin mit meinen Eltern, lassen uns den Wind um die Nase wehen und haben einen traumhaften Blick aufs Meer. Wir könnten es schlechter treffen. Trotz alledem bringt P. mich zum Lachen, wenn ich traurig und mutlos bin. Trotz alledem weiss ich, dass ich eine gute Tante bin und dass die Kids mich und P. sehr mögen. Ich will kein Mitleid, auch nicht über den Blog, das haben wir überhaupt nicht nötig, jawollja!
Vor dem Urlaub hatten wir ein weiteres Gespräch mit einer Dame von der Adoptionsstelle, die im Unterschied zu der vom Jugendamt sehr sehr nett und menschlich war. Den ersten Bewerbungsbogen haben wir vor Weihnachten schon ausgefüllt, sodass wir nun auch diesen Weg eingeleitet haben. Sie meinte, dass es bis zu einem halben Jahr dauern kann, bis man in die Adoptionskartei aufgenommen wird, die Zeit geht auch noch vorbei. Vielleicht haben wir ja ganz gute Chance, trotz unseres Alters. Das sei nicht zwingend ein Hinderungsgrund, meinte die Adoptionsdame.
2013 hat demnach viele Zipfel und Enden, die hoffnungsvoll sind. Bin gespannt.

Donnerstag, 21. Juni 2012

Gegen die Wand treten 2

Klaus ist 70, Petra 38. Beide sind unverheiratet und wollen sich über das Thema Adoption informieren. Klaus leidet an einem Prostataleiden, genießt sein Rentnerdasein und hofft auf weitere 10 schöne Jahre, Petra ist unzufrieden und wünscht sich ein Kind. Da bleibt was übrig, wenn Klaus geht. Beide stellen sich zum Beratungsgespräch zum Thema Adoption vor, geben an, sie würden auch heiraten, um die Chancen auf eine Adoption zu erhöhen. Beide bekommen Folgendes mitgeteilt: eine Heirat vor der Adoption würde die Chancen deutlich senken. Verheiratete Paare, bei denen der eine deutlich älter als der andere ist, sind nämlich gegenüber unverheirateten Paaren benachteiligt, weil dann beider Alter berücksichtigt wird. Und wenn einer die magische Grenze von über 40 erreicht hat (so ist sie zumindest bei vielen - aber wohl auch nicht allen - Adoptionsvermittlern festgelegt), wird es schwierig. Und jetzt kommt der - finde ich - Hammer:  "Somit kann es sinnvoll sein, die Heirat auf die Tage nach der Adoption zu verschieben."  Steht in einem Buch zum Thema Adoption! Wie fadenscheinig ist das denn bitte?? Ohne Heirat ist für Petra, die ja noch unter 40 ist, eine Adoption, zumindest im Ausland, möglich. Und dann wäre das Kind eben bei Klaus, 70, und Petra, 38. Tut mir ja leid, aber das macht mich schon wieder sauer. Dabei habe ich doch gerade erst den Kloß mit "Sie müssen Ihren Kinderwunsch ausgiebig betrauert und ad acta gelegt haben" verdaut!
Ich dachte, ich lese zum Thema Alter nochmal nach, da die Dame vom Amt uns am Dienstag vorsichtig angedeutet hat, daß der Altersunterschied zwischen Kind und Adoptiveltern maximal 40 Jahre betragen soll. Was schwierig wird, da P. 39 und ich 35 bin. Dabei fühlen wir uns mitnichten "so alt" und ich kann, so denke ich, auch guten Gewissens behaupten, daß wir "für unser Alter" noch recht rüstig unterwegs sind! Ein Psychologe würde wahrscheinlich sagen, ich wehre meine Angst vor dem "zu alt sein" ab und bin stattdessen wütend. Fühlt sich aber richtig an. Geht es um Formalitäten oder steht das Wohl des Kindes wirklich im Vordergrund?? Wir bekloppt ist das denn bitte??

Dienstag, 19. Juni 2012

Entweder oder. Warum eigentlich?

Heute hatten wir unseren Termin beim Landratsamt, Adoptionsstelle. Jetzt legen wir doch mal eine Schweigeminute ein. ---------------
Über Adoption nachdenken? Ja, tun wir. Ich graue mich vor dem Gedanken, daß P. und ich grau und Mitte 40 eines Tages aufwachen, uns ansehen und denken: Mist. Mist, Mist, Mist, warum haben wir uns nicht früher um Alternativen gekümmert, jetzt sind wir zu alt. Ich sehe P. und mich mit Kindern. Mit vielen Kindern. Ein großer, lustiger, bunter Haushalt. Ich kann und will mir gar nicht vorstellen, daß es vielleicht nicht dazu kommen könnte. Und apropos Kontrolle und Loslassen: wieso nicht alles versuchen, was man nur versuchen kann, um diesem Wunsch etwas näher zu kommen?
Und - bauz - schon holt uns die Realität wieder ein. Aber eins nach dem anderen: nachdem wir Wochen und monatelang unproblematisch mit dem Auto von der Arbeit nach Hause gekommen sind standen wir heute - natürlich heute!!! - im Stau. Im fettesten Stau ever, geschlagene 2 1/2 Stunden lang. Obwohl wir ganz zwanghaft extra früher losgefahren sind kamen wir doch eine halbe Stunde zu spät. Mit telefonischer Ankündigung zwar aber trotzdem unangenehm. Schließlich will man einen guten Eindruck machen und überhaupt. Die nette Dame hat uns dann über die verschiedenen Möglichkeiten der Adoption aufgeklärt, Inlandsadoption (eher Säuglinge, eher offene bzw. halboffene Adoption mit Kontakt zu den leiblichen Eltern, Mütter haben die Möglichkeit, die ihrer Meinung nach geeignetsten Bewerber auszusuchen) oder Auslandsadoption (Wartezeiten von bis zu 4 Jahren oder länger, eher ältere Kinder, kein Kontakt zu den leiblichen Eltern) etc. Und dann wurde gefragt, ob wir schon mit unserem Kinderwunsch abgeschlossen hätten, ob wir es ausgiebig betrauert hätten, denn nur wer durch diese Trauer gegangen sei, könne sich auf ein Adoptionskind und dessen Trauer über den Verlust seiner leiblichen Familie einlassen und laufe nicht Gefahr, es innerlich abzulehnen. Und da muß ich doch sagen: gibt es unter uns wirklich WIRKLICH jemanden, der seine Hoffnung auf ein eigenes Kind so ganz und gar und gänzlich aufgegeben hat? Der nicht doch noch an das letzte Fitzelchen Hoffnung glaubt, doch noch ein leibliches Kind zu bekommen? Egal wie unwahrscheinlich das sein mag? Und der sich trotzdem gern und mit Freuden und absolut empathisch auf ein Adoptionskind einlassen möchte? Abgesehen davon: haben potentielle Eltern, die durch eine KiWu-Behandlung gegangen sind nicht bereits ausreichend Trauer und Leiden durchlebt? Zeigt es nicht, daß die Sehnsucht nach einem Kind und der Wunsch, sich auf es einzulassen, vorhanden ist, wenn man diesen Weg auf sich nimmt? Eltern mit breits vorhandenen leiblichen Kindern wird übrigens kein Kind vermittelt, da es sich sonst zurückgesetzt fühlen könnte. Außer bei Familien, in denen das andere Kind auch adoptiert sei. Es ist ja nicht so, daß ich diesen Ansatz nicht nachvollziehen könnte. Aber wieso wird potentiellen Adoptiveltern nicht etwas mehr Vertrauen entgegen gebracht bzw. ausreichend Empathie zugetraut? Sollte man vor einer Adoption Kurse in Frühkindpädagogik, Traumatherapie und Erziehung bei Verhaltensstörungen belegen? Ja, ich bin unsachlich. Aber dieser Ansatz hat mich doch etwas irritiert. Natürlich muß das Wohl des Kindes im Mittelpunkt des Interesses stehen. Aber wer sagt, daß wir nicht vorhaben, dieses Wohl zu schützen mit all unseren Mitteln?