Dienstag, 10. Juli 2012

Blick ins Innere

Heute morgen saß ich wieder einmal mit einem Nümmerchen in der Hand in der Frauenklinik und wartete darauf, aufgerufen zu werden. Neues Quartal, neue Anmeldung. Und wie ich so da saß und die jungen Studentinnen an mir vorüberrauschten dachte ich in einem senilen Anfall von Altersweisheit, wieso ist Euch eigentlich der Caffè latte wichtiger als das Thema Kinderkriegen? Dann wiederum dachte ich, was für eine bekloppte These, zumal Du selbst doch auch erst mit 32 an Kinder gedacht hast. Wieso war das eigentlich kein Thema für mich in einem Alter, als es rein biologisch noch - vielleicht - viel besser funktioniert hätte? Ich habe darauf keine Antwort. Der falsche Mann? Sehr wahrscheinlich. Aber ich habe wirklich nicht eine Sekunde ans Kinderkriegen gedacht. Noch wahrscheinlicher ist, daß ich in meinem Gemüt auf dem Level einer 15jährigen stehengeblieben bin. Ich saß da also heute morgen auf meinem Stühlchen und habe vor mich hin sinniert, dann alles Revue passieren lassen, was ich in dieser Klinik schon alles durchmachen mußte und dachte, daß ich nicht weiß, wie ich das Ganze nochmal durchstehen soll. Dann wurde ich aufgerufen und die besorgt nette Oberärztin mit dem unbeweglichen Gesichtsausdruck hat mich das zweite Mal über die Risiken einer Hysteroskopie aufgeklärt. Auch wenn mein Gyn das nicht für notwendig halte würde sie mir die Untersuchung dringend empfehlen, immerhin seien ja schließlich zwei Ausschabungen gemacht worden und das könnte ja zu Verklebungen führen und überhaupt hätte man ja auch Myome gesehen, die sich im Ultraschall manchmal nicht so abbilden lassen. Wer sagt da schon "nein lieber nicht" zu so einem verlockenden Angebot?? Die Hysteroskopie wurde also durchgeführt und gesehen hat die Gute, ebenso wie mein Gyn, nichts. Vielleicht wurde nach der OP ja einfach behauptet, ich hätte einen "Uterus myomatosus", weil man das besser abrechnen kann? Eine kleine Verklebung gab es am Übergang vom Muttermund, die sie gelöst hat. Wahrscheinlich hat sich der Muttermund inzwischen leise schmollend gedacht, so, hier kommt jetzt keiner mehr rein, verklebe ich doch einfach mal. Dann wurde mir noch mitgeteilt, daß meine Akte verschwunden sei und gefragt, ob ich mich an das Protokoll vom letzten Mal erinnere. Echt schräg. Ich meinte "Antagonistenprotokoll" mit ASS, Heparin und Predni, sie meinte "Never change a winning horse". Beängstigend.
Nächsten Monat geht es los!!! Drückt mir die Daumen! Also dann! Oder jetzt schon! Egal!!!

Dienstag, 3. Juli 2012

2. ÜZ, ZT 2

Mein 2. ÜZ sollte eigentlich ohne Cortison vonstatten gehen, wenn ich nach Empfehlung von Fr. Reichel-Fentz handeln würde, die mir ja empfohlen hat, einen Zyklus lang Predni einzunehmen und dann einen auszusetzen. ANDERERSEITS werde ich ja im nächsten Zyklus - vermutlich - wieder eine IVF starten, sodass ich ja in diesem Zyklus nach Studienlage eigentlich schon mal vorbereitend Cortison nehmen müßte. Darum werde ich es einfach durchnehmen. 5mg können nicht viel schaden. Außer meiner Hormonplauze, die leider noch nicht sehr arg geschrumpft ist. Hinten rum zumindest. Nachdem mein Gyn gestern gemeint hat, eine Hysteroskopie sei seiner Ansicht nach nicht zwingend notwendig, da er das vermeintliche submuköse Myom nicht gesehen hat, habe ich heute wie vereinbart wieder Kontakt zur KiWu-Ambulanz der Klinik aufgenommen. Und die waren fast schon ein wenig beleidigt, warum ich auf meinen Gyn höre und nicht auf deren Empfehlung. Nach einer Ausschabung - und in meinem Fall ja sogar nach zweien - würden sie in jedem Fall "noch mal reingucken" wollen. Na gut. Na schön. Wird halt nochmal reingeschaut in das gute Stück. Bauch aus Glas, das wär doch was. Termin ist nächsten Dienstag. Bis dahin mache ich eine ganz neue Erfahrung: Regelschmerzen. 

Montag, 2. Juli 2012

1. ÜZ beendet

Es gibt so Tage, da fühle ich mich wie Sterntaler. Allerdings eher wie eine Art Kindertroll mit verdreckten Haaren und schwarzen Füßen, auf den keine Sterne hinunterregnen sondern kleine Kuhfladen. Oder so.
Der Tag fing eigentlich ganz gut an, mein lieber Gyn hat wirklich ganz genau nachgeguckt in seinem supertollen Ultraschallgerät und konnte kein bißchen Morla-Myom mehr erkennen. Es gibt noch zwei wahrscheinlich subseröse Myome, die aber nichts machen, meinte er, aber von diesem angeblich submukösen Myom, was vor einer nächsten Schwangerschaft vielleicht entfernt werden sollte, war nichts mehr zu sehen. Dementsprechend war meine Laune bestens. Allerbestens. Im weiteren Verlauf des Tages kam es dann zu diesen kleinen alltäglichen Kuhfladen, die einen in der Summe aus der Haut fahren lassen. Eins nach dem anderen habe ich wahrscheinlich 10 Sachen fallen lassen, bin dreimal mit dem Knie gegen den Tisch geknallt, habe den Zug verpaßt, die S-Bahn und den Bus, dann ist die Papiertasche beim Einkaufen gerissen und irgendwann war ich dann soweit, daß ich beim nächsten Malheur locker in Tränen der Wut ausgebrochen wäre. Jetzt habe ich festgestellt, daß mein 1. ÜZ nun offiziell beendet ist.
Irgendwie ergibt dann doch wieder alles einen Sinn...

Samstag, 23. Juni 2012

Die Zeit ist nicht gegen mich

Wenn ich an mein Alter denke und mir vorstelle, daß ich - in einer idealen Welt - schon 3 Kinder haben sollte, und mich dann in diesen Gedanken so richtig reindenke, bekomme ich Panik. Wenn ich mich dann weiter in diesen Gedanken hineinsteigere - und an manchen Tagen  schaffe ich es nicht, mich dagegen zu wehren -, könnte ich mich nur noch in eine Ecke verkrümeln, die Bettdecke über den Kopf ziehen und schlafen. Wenn ich beim Laufen bin merke ich, wie sich mein Schritt verlangsamt oder ich ganz ins Schritttempo verfalle, weil plötzlich alle Energie von mir abfällt. An anderen Tagen schaffe ich es, mich von diesem Gedanken abzulenken, dann öffnet sich kein schwarzes Loch sondern ich kann an die Zukunft glauben und daran, daß es wieder klappen wird. Und daß ich es nun mal nicht ändern kann, daß ich beim ersten Kind dann eben 36 oder 37 bin. Daß P. und ich noch jung sind, innerlich wie äußerlich. Daß wir auch "in unserem Alter" noch toben und Quatsch machen und alles das machen können was Eltern mit um die 20 tun. Dann gewinnt so eine Art Trotz und ich denke, daß ich eben so lange Kinder produzieren werde wie ich noch nicht in die Menopause falle. So siehts aus. Jetzt im Sommer funktioniert das "Gegendenken" eigentlich ganz gut. P. und ich sind viel unterwegs, treffen uns mit Freunden (schwanger oder mit Kindern, aber trotzdem ok) und auch die Zeit zu zweit ist schön. Solange wir noch keine Kinder haben haben wir trotzdem eine gute Zeit. Die Zeit ist nicht gegen mich. Es ist meine Zeit.   

Donnerstag, 21. Juni 2012

Gegen die Wand treten 2

Klaus ist 70, Petra 38. Beide sind unverheiratet und wollen sich über das Thema Adoption informieren. Klaus leidet an einem Prostataleiden, genießt sein Rentnerdasein und hofft auf weitere 10 schöne Jahre, Petra ist unzufrieden und wünscht sich ein Kind. Da bleibt was übrig, wenn Klaus geht. Beide stellen sich zum Beratungsgespräch zum Thema Adoption vor, geben an, sie würden auch heiraten, um die Chancen auf eine Adoption zu erhöhen. Beide bekommen Folgendes mitgeteilt: eine Heirat vor der Adoption würde die Chancen deutlich senken. Verheiratete Paare, bei denen der eine deutlich älter als der andere ist, sind nämlich gegenüber unverheirateten Paaren benachteiligt, weil dann beider Alter berücksichtigt wird. Und wenn einer die magische Grenze von über 40 erreicht hat (so ist sie zumindest bei vielen - aber wohl auch nicht allen - Adoptionsvermittlern festgelegt), wird es schwierig. Und jetzt kommt der - finde ich - Hammer:  "Somit kann es sinnvoll sein, die Heirat auf die Tage nach der Adoption zu verschieben."  Steht in einem Buch zum Thema Adoption! Wie fadenscheinig ist das denn bitte?? Ohne Heirat ist für Petra, die ja noch unter 40 ist, eine Adoption, zumindest im Ausland, möglich. Und dann wäre das Kind eben bei Klaus, 70, und Petra, 38. Tut mir ja leid, aber das macht mich schon wieder sauer. Dabei habe ich doch gerade erst den Kloß mit "Sie müssen Ihren Kinderwunsch ausgiebig betrauert und ad acta gelegt haben" verdaut!
Ich dachte, ich lese zum Thema Alter nochmal nach, da die Dame vom Amt uns am Dienstag vorsichtig angedeutet hat, daß der Altersunterschied zwischen Kind und Adoptiveltern maximal 40 Jahre betragen soll. Was schwierig wird, da P. 39 und ich 35 bin. Dabei fühlen wir uns mitnichten "so alt" und ich kann, so denke ich, auch guten Gewissens behaupten, daß wir "für unser Alter" noch recht rüstig unterwegs sind! Ein Psychologe würde wahrscheinlich sagen, ich wehre meine Angst vor dem "zu alt sein" ab und bin stattdessen wütend. Fühlt sich aber richtig an. Geht es um Formalitäten oder steht das Wohl des Kindes wirklich im Vordergrund?? Wir bekloppt ist das denn bitte??

Dienstag, 19. Juni 2012

Entweder oder. Warum eigentlich?

Heute hatten wir unseren Termin beim Landratsamt, Adoptionsstelle. Jetzt legen wir doch mal eine Schweigeminute ein. ---------------
Über Adoption nachdenken? Ja, tun wir. Ich graue mich vor dem Gedanken, daß P. und ich grau und Mitte 40 eines Tages aufwachen, uns ansehen und denken: Mist. Mist, Mist, Mist, warum haben wir uns nicht früher um Alternativen gekümmert, jetzt sind wir zu alt. Ich sehe P. und mich mit Kindern. Mit vielen Kindern. Ein großer, lustiger, bunter Haushalt. Ich kann und will mir gar nicht vorstellen, daß es vielleicht nicht dazu kommen könnte. Und apropos Kontrolle und Loslassen: wieso nicht alles versuchen, was man nur versuchen kann, um diesem Wunsch etwas näher zu kommen?
Und - bauz - schon holt uns die Realität wieder ein. Aber eins nach dem anderen: nachdem wir Wochen und monatelang unproblematisch mit dem Auto von der Arbeit nach Hause gekommen sind standen wir heute - natürlich heute!!! - im Stau. Im fettesten Stau ever, geschlagene 2 1/2 Stunden lang. Obwohl wir ganz zwanghaft extra früher losgefahren sind kamen wir doch eine halbe Stunde zu spät. Mit telefonischer Ankündigung zwar aber trotzdem unangenehm. Schließlich will man einen guten Eindruck machen und überhaupt. Die nette Dame hat uns dann über die verschiedenen Möglichkeiten der Adoption aufgeklärt, Inlandsadoption (eher Säuglinge, eher offene bzw. halboffene Adoption mit Kontakt zu den leiblichen Eltern, Mütter haben die Möglichkeit, die ihrer Meinung nach geeignetsten Bewerber auszusuchen) oder Auslandsadoption (Wartezeiten von bis zu 4 Jahren oder länger, eher ältere Kinder, kein Kontakt zu den leiblichen Eltern) etc. Und dann wurde gefragt, ob wir schon mit unserem Kinderwunsch abgeschlossen hätten, ob wir es ausgiebig betrauert hätten, denn nur wer durch diese Trauer gegangen sei, könne sich auf ein Adoptionskind und dessen Trauer über den Verlust seiner leiblichen Familie einlassen und laufe nicht Gefahr, es innerlich abzulehnen. Und da muß ich doch sagen: gibt es unter uns wirklich WIRKLICH jemanden, der seine Hoffnung auf ein eigenes Kind so ganz und gar und gänzlich aufgegeben hat? Der nicht doch noch an das letzte Fitzelchen Hoffnung glaubt, doch noch ein leibliches Kind zu bekommen? Egal wie unwahrscheinlich das sein mag? Und der sich trotzdem gern und mit Freuden und absolut empathisch auf ein Adoptionskind einlassen möchte? Abgesehen davon: haben potentielle Eltern, die durch eine KiWu-Behandlung gegangen sind nicht bereits ausreichend Trauer und Leiden durchlebt? Zeigt es nicht, daß die Sehnsucht nach einem Kind und der Wunsch, sich auf es einzulassen, vorhanden ist, wenn man diesen Weg auf sich nimmt? Eltern mit breits vorhandenen leiblichen Kindern wird übrigens kein Kind vermittelt, da es sich sonst zurückgesetzt fühlen könnte. Außer bei Familien, in denen das andere Kind auch adoptiert sei. Es ist ja nicht so, daß ich diesen Ansatz nicht nachvollziehen könnte. Aber wieso wird potentiellen Adoptiveltern nicht etwas mehr Vertrauen entgegen gebracht bzw. ausreichend Empathie zugetraut? Sollte man vor einer Adoption Kurse in Frühkindpädagogik, Traumatherapie und Erziehung bei Verhaltensstörungen belegen? Ja, ich bin unsachlich. Aber dieser Ansatz hat mich doch etwas irritiert. Natürlich muß das Wohl des Kindes im Mittelpunkt des Interesses stehen. Aber wer sagt, daß wir nicht vorhaben, dieses Wohl zu schützen mit all unseren Mitteln?

Freitag, 15. Juni 2012

Ei verbibscht!

Nachdem ich mich heute ja schon fast auf meinen netten Gyn gefreut habe, der mir zwar in letzter Zeit nur schlechte Nachrichten mitteilen konnte, aber der erste Arzt meiner ausgiebigen Arztkarriere ist, dem ich vertraue, war ich dann doch etwas verblüfft, als die Sprechstundenhilfe meinte, es gebe heute eine Vertretung. Und wer kommt rein? Die 15jährige Ärztin aus der KiWu-Ambulanz, der ich ja leider nun mal nicht zutraue, das komplexe Geschehen in meinem Uterus zu beurteilen! Dementsprechend sind die Informationen, mit denen ich heute die Praxis verließ, recht spärlich.

Punkt 1: Meine Schleimhaut hat sich wieder gut aufgebaut.
Punkt 2: Das sächselnde Myom mit den nach unten hängenden Mundwinkeln, das nach der Ausschabung zu sehen war und direkt an die Schleimhaut  grenzte, konnten weder sie noch ich auf dem Monitor entdecken. Jetzt kann das natürlich viel und nichts bedeuten und ich unke innerlich schon wieder, daß das einfach an der Unfähigkeit der schallenden Person lag, aber (und hierbei stehe ich feierlich auf und erhebe den Zeigefinger): es könnte auch bedeuten, daß das Dingelchen geschrumpft ist. Oder etwas anderes war.
Punkt 3: Die Hysteroskopie, die noch gemacht werden sollte vor der nächsten Stimulation, um abzuschätzen, inwiefern es wirklich Myome gibt, die eine Schwangerschaft behindern könnten, hätte, wenn das letzte Woche wirklich die Regelblutung war (gibts eigentlich auch hippere Wörter dafür??) heute oder morgen stattfinden sollen, das sei der beste Zeitpunkt im Zyklus. Demnach ist es diesen Monat zu spät. Aber sie meinte, die nächste IVF wird ohnehin erst nach 2-3 Zyklen gestartet. Was mich aber nicht daran hindern wird, es auf natürlichem Wege weiter zu versuchen.

Mein persönliches Fazit bzw. Mantra für die nächste Zeit: 1. Wenn das Myom so klein ist, daß es - unfähige Ärztin hin oder her- nicht zu finden ist, ist es auch nicht notwendig, es zu entfernen. 2. Falls ich innerhalb der nächsten 2 Monate nicht wieder schwanger werden sollte (und das ist ja sowas von unwahrscheinlich!!!) kann eine Hysteroskopie nicht schaden. Aber auch da werden die nichts feststellen.
Ooooommmm!